Arten von Schlafstörungen

So einfach wie es zunächst scheint ist die Einteilung von Schlafstörungen nicht: Viele Quellen verwenden unterschiedliche oder veraltete Bezeichnungen, die heute zum Teil mit neuen Bedeutungen belegt sind. Die Folge: Verwirrung. Als wertvoller Leitfaden fungieren da neuere wissenschaftliche Einteilungen wie die "International Classification of Sleep Disorders".

Worin alle Definitionen übereinstimmen ist, dass Schlafstörungen im Allgemeinen dadurch gekennzeichnet sind, dass der Schlaf in Dauer, Qualität und/oder Ablauf gestört ist. Aber allein schon bei der grundlegenden Bezeichnung von Schlafstörungen gibt es Meinungsverschiedenheiten: In einigen Quellen heißen sie Insomnien, in anderen Dyssomnien. Schlafstörungen unterscheidet man grob in Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen und Tagesmüdigkeit. Bei Einschlafstörungen fällt es Betroffenen schwer, in den Schlaf zu finden, bei Durchschlafstörungen ist das Durchschlafen das Hauptproblem. Auch hier gibt es wieder unterschiedliche Meinungen in Bezug auf die Bezeichnung: Nicht selten werden Einschlaf- und Durchschlafstörungen unter dem Begriff Insomnien zusammengefasst. Tagesmüdigkeit oder auch Hypersomnie bewirkt, dass Betroffene tagsüber einen starken Schlafdruck verspüren, dem sie im Extremfall nachgeben. Welche Schlafstörungen es im konkreten Fall gibt, das erfahren Sie in den nächsten Abschnitten.

Intrinsische Schlafstörungen

Die Bezeichnung intrinsische Schlafstörungen fasst alle Schlafstörungen zusammen, deren Ursache im Inneren des Körpers liegen. Intrinsische Schlafstörungen werden also nicht durch äußere Faktoren hervorgerufen wie es bei den extrinsischen Schlafstörungen der Fall ist. Auslöser einer intrinsischen Schlafstörung ist in den meisten Fällen eine physische oder psychische Erkrankung. Eine Therapie beschränkt sich also keinesfalls nur auf die Beseitigung der Schlafstörung - sie ist lediglich ein Symptom für eine andere Erkrankung. Intrinsische Schlafstörungen sind nicht losgelöst von anderen Schlafstörungen zu betrachten: Andere Schlafstörungen können intrinsische Schlafstörungen durchaus beeinflussen bzw. verstärken. Im Fall der extrinsischen Schlafstörungen ist es sogar so, dass mit der Zeit und bei Nichtbehandlung aus einer extrinsischen eine intrinsische Schlafstörung werden kann. Unter den intrinsischen Schlafstörungen unterscheidet man vier große Gruppen: Die Insomnie, die Hypersomnie, Atemregulationsstörungen und Bewegungsstörungen. Insomnie

Häufig spricht man bei Schlafstörungen auch allgemein von einer Insomnie, obwohl dieser Begriff nur eine kleine Gruppe der Schlafstörungen beschreibt. Generell bezeichnet man damit eine Schlaflosigkeit. Man unterscheidet hierbei in Unterformen wie die erlernte und die idiopathische Insomnie oder die Fehlbeurteilung des Schlafes. Allen Betroffenen gemein ist, dass sie aufgrund physischer oder psychischer Probleme nicht in den Schlaf finden können oder immer wieder aufwachen.

Hypersomnie

Überschläfrigkeit oder Tagesschläfrigkeit könnte man diese Form der Schlafstörung auch nennen. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene tagsüber derart müde sind, dass sie dringend schlafen müssen. Eine extreme Form der Hypersomnie ist die Narkolepsie.

Atemregulationsstörungen

Atemregulationsstörungen sind potenziell lebensgefährlich: Je nach Ausprägung kommt es im Schlaf zum Atemstillstand bzw. zu Atemaussetzern oder zu einer Hyperventilation. Besonders die Atemaussetzer im Rahmen einer Schlafapnoe können gefährlich werden: Wacht der Betroffene nicht auf und wird er auch nicht von jemand anderem geweckt, können Sauerstoffarmut im Blut und damit verbunden ein Multiorganversagen auftreten.

Bewegungsstörungen

Unter den Bewegungsstörungen bei den Schlafstörungen ist vor allem das Restless-Leg-Syndrom (RLS) bekannt: Im Schlaf bewegen sich hierbei die Gliedmaßen, manchmal aber auch nur die Zehen oder Gelenke. Die Bewegungen sind es dann, die zum Erwachen führen. Die Folge von Bewegungsstörungen sind stets unterbrochene Nachtschlafphasen, die zu einer verstärkten Tagesmüdigkeit und damit verbundenen weiteren Symptomen führen.

Extrinsische Schlafstörungen

Unter extrinsischen Schlafstörungen versteht man Störungen des Schlafes, die aufgrund von äußeren Faktoren auftreten. Im Gegensatz zu den intrinsischen Schlafstörungen liegen die Ursachen für die Störungen also nicht in physiologischen und psychologischen Faktoren begründet. Stattdessen resultieren die extrinsischen Schlafstörungen aus externen Faktoren wie etwa der Geräusch- und Lärmpegel im Schlafzimmer, die Umgebungstemperatur usw.

Unter extrinsischen Schlafstörungen hat sicher schon jeder gelitten: Spätestens wenn der Nachwuchs schreit, die Müllabfuhr die Container leert oder der Hund darauf aufmerksam macht, dass jetzt die richtige Zeit zum Gassi gehen wäre, sind wir durch äußere Faktoren in unserem Schlaf gestört. Aber extrinsische Störungen umfassen noch mehr, man teilt sie ein in verhaltens- und umgebungsbedingte Schlafstörungen, Schlafstörungen im Kindesalter und medikamentös bzw. toxisch indizierte Schlafstörungen. Verhaltens- und umgebungsbedingte Schlafstörungen

Die Bezeichnung besagt im Prinzip schon sehr genau, woher die Schlafstörungen dieser Kategorie stammen: Umwelteinflüsse und unser eigenes Verhalten bewirken eine Störung des Schlafs. Geht man noch weiter in die Tiefe, unterscheidet man die Ausprägungen inadäquate Schlafhygiene, umweltbedingte Schlafstörungen, höhenbedingte Schlafstörungen, anpassungsbedingte Schlafstörungen und das Schlafmangelsyndrom. Das Schlafmangelsyndrom äußert sich darin, dass bei chronischem Schlagmangel Folgeerscheinungen wie etwa chronische Müdigkeit, Gereiztheit und Konzentrationsschwächen auftreten.

Schlafstörungen im Kindesalter

Wer selbst ein Kind hat kennt das Phänomen: Schlafstörungen sind bei Kindern vollkommen normal, sie treten sowohl in Zusammenhang mit inneren wie auch äußeren Faktoren auf. Bei vielen Kindern reicht es bereits, wenn ihr gewohntes Einschlafritual gestört ist und schon haben sie Probleme, in den Schlaf zu finden. Auch die Nahrungsaufnahme führt zu Insomnien: Lebensmittelunverträglichkeiten, Verdauungsprobleme und schlicht und einfach Hunger führen zur Unterbrechung des Schlafs.

Wussten Sie schon?
Obwohl kinder-typische Insomnien in der Regel von allein verschwinden, leiden manche Erwachsene ihr Leben lang darunter. Medikamentös/toxisch indizierte Schlafstörungen

Diesen Effekt hat jeder schon einmal erlebt: Es muss noch gearbeitet werden oder man möchte gegen die aufkommende Müdigkeit kämpfen und trinkt am Abend einen Kaffee oder einen starken schwarzen Tee. Der Effekt: Das Koffein hält wach. Was in diesen Fällen ein gewollter Effekt ist, kann in anderen Fällen aber zu ungewollter Schlaflosigkeit führen. Wussten Sie schon?

Auch Nikotin kann wie Koffein wach halten.

Daneben gibt es aber auch noch eine Reihe weiterer Stoffe, die als Wachmacher fungieren, etwa Alkohol, Stimulanzien (Aufputschmittel) oder auch Schwermetalle, die sich im Rahmen einer Vergiftung im Körper angesammelt haben. Übrigens: Auch Hypnotika, also Schlafmittel, können zu Schlafstörungen führen. Wer sie längere Zeit einnimmt, kann dadurch in eine Abhängigkeit geraten, da der Körper sich an die ständige Zufuhr des Wirkstoffs gewöhnt hat und ohne ihn nun nicht mehr in den Schlaf finden kann.

Parasomnien

Wie der Name es bereits andeutet versteht man unter Parasomnien Auffälligkeiten, die während des Schlafes auftreten. Charakteristisch für Betroffene ist es also, dass sie in den Schlaf finden, während des Schlafes aber ungewöhnliches Verhalten zeigen, das anderen Personen auffällt und sie möglicherweise selbst im Schlaf stört. Parasomnien sind sehr vielfältig, ebenso wie ihre Ursachen - die möglichen Therapien sollten also im Einzelfall mit einem fachkundigen Arzt besprochen werden.

Zu den wohl bekanntesten Parasomnien zählen Schlaftrunkenheit und Schlafwandeln: Beim Schlafwandeln (Somnambulismus) verlässt der Schlafende das Bett und verrichtet zum Teil Tätigkeiten, an die er sich nach dem Aufwachen nicht mehr erinnern kann. Über das Schlafwandeln existieren viele Geschichten und Halbwissen. Fakt ist aber, dass das Schlafwandeln eher bei Kindern als bei Erwachsenen und eher temporär auftritt.

Parasomnien weisen unzählige Ausprägungen auf, angefangen vom nächtlichen Wadenkrampf bis hin zum plötzlichen Kindstod. Zu den wohl häufigsten Parasomnien zählen beispielsweise Albträume und Sprechen im Schlaf, Schlaflähmungen und Zähneknirschen. Um einen besseren Überblick über die einzelnen Störungen erhalten zu können, werden Parasomnien in die folgenden Gruppen eingeteilt: Aufwachstörungen, Störungen im REM-Schlaf, Störungen bei Übergang zwischen Wach- und Schlafphase und andere Störungen. Am wenigsten beunruhigend dürften die Störungen der Gruppen Aufwachstörungen und Störungen beim Übergang zwischen Wach- und Schlafphase sein: Ein Aufwachen und Einschlafzuckungen etwa sind ganz natürlich, Wadenkrämpfe sind auf einen gestörten Mineralstoffhaushalt zurückzuführen, der lediglich ausgeglichen werden muss. Therapien dieser Formen der Schlafstörung sind in der Regel nicht notwendig.

Andere Parasomnien umfassen Auffälligkeiten wie etwa Zähneknirschen oder Bettnässen. Häufig sind die Ursachen hier psychischer Natur. Auch Schnarchen und der plötzliche Kindstod zählen zu dieser Kategorie Parasomnien.

Behandlungsbedürftig sind in jedem Fall REM-Schlafparasomnien: Hier findet man Auffälligkeiten wie Albträume und Herzstillstände, aber auch das Schenk-Syndrom, bei dem der Schlafende unkontrolliert im Traum agiert. Hier besteht Gefahr für Gesundheit und Leben, nicht nur des Schlafenden sondern auch von Personen, die sich mit ihm in einem Bett befinden. Ursache für diese Störungen sind meist körperliche Fehlfunktionen, die in jedem Fall therapiert werden müssen.

Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen

Eine Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen hat jeder schon einmal erlebt, der eine längere Urlaubsreise per Flugzeug unternommen hat: Am Urlaubsort angekommen fällt die Umstellung auf die neue Ortszeit schwer, unsere innere Uhr geht noch nach deutscher Zeit, Schlafstörungen begleiten die ersten Nächste. Der Körper benötigt einige Tage, um sich an den neuen Schlafrhythmus zu gewöhnen. Was im Urlaub (bei entsprechender Urlaubslänge) noch erträglich erscheint, ist für Vielflieger, die aus beruflichen Gründen viel unterwegs sind, eine große Belastung. Aber nicht nur sie leiden unter Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen: Betroffen sind beispielsweise auch Schichtarbeiter. Sie arbeiten zum Teil gegen ihren natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus, was für Körper und Psyche eine große Belastung darstellt. Nicht umsonst fällt auf, dass unter Schichtarbeitern vermehrt Depressionen oder Stoffwechselstörungen auftreten. Je häufiger die Schicht-Zeiten wechseln und je öfter sich die Schichtarbeiter einem neuen Schlaf-Wach-Rhythmus anpassen müssen, desto mehr wächst die Belastung und desto eher ist mit Schlafstörungen zu rechnen.

Wussten Sie schon?
Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen hängen stark von den Lebensgewohnheiten der Betroffenen ab und können u.a. durch eine Änderung dieser therapiert werden. Von einer Schlaf-Wach-Rhythmusstörung spricht man auch, wenn das Muster aus Schlaf- und Wachzeiten gestört ist, wenn also Schlafphasen und Wachzeiten auftreten und vice versa. Ebenfalls häufig zu beobachten ist eine Abweichung vom 24-Stunden-Rhythmus: Hierbei verlagert sich die Schlafphase immer weiter nach hinten oder vorn, Betroffene gehen immer später bzw. früher zu Bett, was zu einer Verschiebung des gesamten Tagesrhythmus oder zu Phasen von Müdigkeit und Abgeschlagenheit führen kann. Vor allem bei jungen und älteren Menschen tritt eine Variation dieser Abweichung auf: Man spricht hier vom vorverlagerten oder verzögerten Schlafphasensyndrom.

So harmlos Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen auch erscheinen mögen: Treten sie auf längere Zeit auf und werden sie nicht behandelt, kann es zu Ermüdungserscheinungen und weiteren Schlafstörungen kommen. Schlimmstenfalls drohen ernsthafte Erkrankungen im Bereich von Magen, Darm, Herz und Kreislauf.

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